Zum Ersten und zum Zweiten

Zum Ersten musst du glauben,

dass es Tag wird, wenn die Sonne steigt.

Wenn du es aber nicht glaubst,

sage ja.

 

Zum Zweiten musst du glauben

und mit all deinen Kräften,

dass es Nacht wird, wenn der Mond aufgeht.

Wenn du es aber nicht glaubst, sage ja

oder nicke willfährig mit dem Kopf, das nehmen sie auch.

 

I.A.

 

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Die Listen

Die Listen nehmen überhand.

Sie stapeln sich an verschiedenen Plätz(ch)en, zu jedem Thema eine Liste.

Liste 1 – Arbeiten, bei denen mir mein Sohn helfen muss.

Liste 2 – Fragen, die mit Ämtern und Personen der Beratung besprochen werden müssen.

Liste 3 – Fragen an a) die Ärztin, b) die Pfleger, c) die Verwandten… kaum abgehakt, kommen neue.

Liste 4 (im Kopf) – Entscheidung, wohin es im Urlaub geht.

Punkt 5 – denken die Leute eigentlich das von mir, was ich denke, dass sie denken? Beziehungsweise… denke ich, die Leute denken dies und jenes von mir, weil ICH dies und jenes von manchen von ihnen denke?

Punkt 6 – ich lache zu wenig. Diese Gedanken sind nämlich zum Lachen.

Krank im September

Der orthopädische Arzt war niedlich. Ein paar Mal musste ich mich (teilweise) entkleiden. Dann wieder anziehen, Zimmer wechseln, Kleidung wieder lockern. Er ging jeden Weg selbst mit mir, niemals wurde ich an Sprechstundenhilfen oder Arzthelferinnen übergeben. Eine Stunde Arzt pur. Gegen Ende lotste er mich durch ein Verbindungszimmer in einen dritten Raum, damit unbefugte Augen mich nicht sehen konnten. Dabei trippelte er vor mir her.

Manchmal frage ich mich, ob ich das bei Menschen auslöse, oder ob die von selbst so sind. Irgendwie reagiert man ja schon auf sein Gegenüber. Und der Arztbrief trägt die gleiche Sprache, die ich verwendet habe.

Eine frühere Begegnung in dieser Praxis, die ich nur als Begleiterin erlebte, blieb mir in weniger guter Erinnerung, weshalb ich eine Behandlung bei diesem Arzt beinahe unterlassen hätte. Damals hatte er ein neues Sprachgerät gehabt, das das gesprochene Wort im Computer sofort in Schrift umwandelte. Und ständig schrieb der Computer falsch, weshalb der Arzt immer wieder sagte: Lösch das! und das Wort dann neu hineinsprach.

Zum Glück sind wir alle reifer geworden.

Karma

Eigentlich… ist das mit dem Ausmisten eine gute Idee. Einmal in der Woche eine Ecke, ein Regal oder eine Schublade von uwichtig gewordenem befreien, könnte eine Zeitlang gelingen.

Vorletzte Woche waren es zehn Bücher, die ich im Flohmarkt abgegeben habe, letzte Woche wurde ein Schuppenregal durchstöbert. Während man die Lücke in den Bücherreihen weniger bemerkt, bringen die ausrangierten Blumentöpfe aus dem Schuppen viel Luft ins Regal und Freude beim Betrachten.

Ob diese Angelegenheit so erfolgreich weiter geht, hängt allerdings weitgehend vom Karma ab.

Obwohl ich an sowas Esoterisches gar nicht glaube.

Frauenfußball

Schon wieder an eine Taste gekommen, die meine Favoriten vom Bildschirm getilgt hat und auch die Uhr. Aber nach dem Einloggen merke ich, dass Mitternacht schon durch ist.

Gestern habe ich ein Fußballspiel gesehen (ARD). Es dauerte ein bisschen, bis ich merkte, dass da Frauen spielen. Auch der Rasen hatte so unnatürlich weiße Reflexe, wie Plastikrasen.

Die Frauen spielen mit faulen Tricks, es sind die Schwedinnen, glaub ich. Schon wieder! Ein gezielter Schubs, und die deutsche Spielerin stürzt kopfüber über die Bande. Eieiei…

Frauen bewegen sich anders beim Fußball. Wenn sie zusammenstehen und sich abreagieren, hüpfen sie auf der Stelle. Das hab ich beim Männerfußball noch nie gesehen. Auch nicht das gehäufelte herumstehen, wenn eine den Ball hat!

Wohin soll die denn schießen, wenn nirgends jemand steht! Verteilt euch mal, Mädels!

Natürlich

ist sie keine Freundin wie übliche Freundinnen, die, denen man das Herz ausschüttet oder auch nicht.
Sie ist ein Professionelle. Und jetzt weiß ich den Zusammenhang, den Zusammenhang zwischen Nutten und Professionalität. Sie tun, was sie tun müssen, ob sie nun Spaß dran haben oder nicht. Aber sie tun es. Und sie wissen, wie sie es tun müssen, ohne dabei zu Schaden zu kommen. Danach ist alles, als wär nie was gewesen.

Aber ich habe es ja schon schlechter erwischt. Auch mit einer Professionellen – aber einer anderen Sorte.

Nutten sind sie wohl alle, weil sie sich verkaufen. Und manche verkaufen sich sogar gut 🙂 … was dem Begriff wieder einiges von seiner Brisanz nimmt.

Freundin

Ich sehe Inna ja als meine Freundin und bin so froh, endlich jemanden gefunden zu haben, den ich als solche bezeichnen kann. Die ‚alten‘ Freundinnen, die schon lange keine mehr sind, stammten noch aus den Tagen, als die Kinder klein waren, und wenn ich recht überlege, ist es kein Wunder, dass diese Kontakte vorbei sind. Die Kinder sind groß und haben sich (im Lauf der Jahre) verändert, warum sollten Mütter (und Freundinnen) sich nicht verändern.

Aber aktiv auf Freundschaftssuche zu gehen erwies sich als holpriger Weg, der mehrere Jahre dauerte und etliche Verletzungen mit sich brachte. Die Erfahrungen haben mit vorsichtig gemacht.

Nun habe ich Inna. Sie wird vermutlich nicht mit mir machen, was ich mir vorstelle. Aber dann machen wir halt was anderes.

Peter und Paul

Es müsste schon lange weggeblättert werden, dieses Kalenderbild, und trotzdem ist es noch da. Ich blicke wach darauf, um mir klar zu machen, was es mir sagt, ob es mir noch was sagt, und erkenne plötzlich, dass dieses Foto in Russland gemacht sein muss. Die unnatürlich lange Spitze der Kirche… sowas gibt es hier nicht, allenfalls in überhöhten Skizzen ausufernder Phantasie mächtiger Dombauherren.

Ich lese die Bildunterschrift und es ist tatsächlich… Petersburg. Anfangs sträubte ich mich gegen die russische Schreibweise Peterburg (ohne s), mittlerweile sehe ich es als Besonderheit, es so sagen zu dürfen.

Das Bild zeigt Joseph Brodsky, der der Fotografin das Panorama seiner Heimatstadt vom Dach der Peter-und-Paul-Festung aus zeigte.

Bohème

Was ist eigentlich ‚Bohème‘? Bei Wikipedia (oder ähnlichem) lese ich, dass dies Leute sind (eine Gesellschaftsschicht, genauer), die sich von den Zwängen/Ideologien ihrer Eltern/der restlichen Gesellschaft abgrenzen wollen und ihr eigenes Leben leben.

Das müsste mir mal passieren! Ich würde mich irritiert abwenden, wenn sich jemand komisch benimmt, ein Drogengetränk runterkippt oder so. Ich würde gar nicht versuchen, ihn davon abzubringen, hauptsächlich wegen des erwarteten Widerstands.

Beim Warten auf meine Behandlung hatte ich nun schon zum ZWEITEN MAL dieses schreckliche Kind mir gegenüber. Es geht nicht zur Schule (noch nicht!), aber auch nicht in den Kindergarten. Was sindn das für Leute? Die Mutter ist mit der älteren Schwester im Behandlungsraum und den Kleinen lassen sie hier warten. Er quatscht mich schräg an. Kann ich nirgendwohin fliehen? Letztlich rede ich doch ein paar Sätze mit ihm, der Bann wurde ja schon letztes Mal gebrochen. Er würde eine Weltkugel, auf die der Zeichner nur eine einzige Stadt gemalt hat, in die Erde pflanzen. Ich verstehe ihn nicht.

Vielleicht brauche ich gerade diese Bohemians. Oder ‚auch‘.

WIE?

Mit gutem Gewissen NICHTSTUN sollte ich mir gönnen, und nicht daran denken, was alles auf die lange Bank geschoben ist.

Man prägt sich ein, was man sieht oder liest, und wenn man Fehler nicht verbessern darf, nimmt man sie allmählich an. Ich könnte schreien, um dem Einhalt zu gebieten. Da ist das Wesentliche wohl noch nicht gelernt.

Und wie schon so oft, habe ich den Faden verloren ob irgendeines Details, das zu genau beschrieben wurde. Wie ärgerlich, wenn es zwei gleichberechtigte Gedanken gibt, und man sich für einen von beiden entscheidet und den anderen darüber gänzlich vergisst. Schon früh habe ich dies bedauert und mir gewünscht, mit jemandem darüber zu sprechen und es analysieren zu können, es einzuordnen oder für zu unwesentlich zu erachten. Statt dessen begann zu diesem Zeitpunkt das noch unbewusste Gefühl, sich immer für das Falsche entschieden zu haben und in diesem Zuge hastig auch noch dem anderen hinterher zu hetzen.

Wie kann man selbst bewerten, wenn man sich selbst noch nicht der Bewertung durch Andere gestellt hat. Wenn man nie gesagt hat, ich bin so und so, und die Antwort des Anderen auch GEGLAUBT hat.

Wie?