… es braucht ein ganzes Dorf

Ich bin immer allein, zuhause und auch unter Leuten.

Nein, das ist natürlich übertrieben. Aber ich bin schon meist allein und mittlerweile auch daran gewöhnt.

Er, der sich früher nicht um mich gekümmert hat, ärgert sich nun, dass ich immer am PC sitze. Aber ER war ja nicht für mich da. Und ich konnte mich auch nicht in den Sessel setzen und Löcher in die Luft starren. Und ich konnte nicht weggehen, denn dann hätte ich die Aufgeregtheiten von außen mit nach Hause gebracht, und wäre nicht damit fertig geworden.

Vielleicht ist es gut so. Jeder ist anders. Jedes Paar ist anders. Vergleichen braucht man sich mit niemandem. Die wenigsten verstehen einen, oder wollen einen verstehen.

Ich weiß auch nicht, wie meine Mutter war. Ich möchte es wissen, um zu werden, wie sie. Um mich innerlich zurücklehnen zu können und zu wissen, es ist alles in Ordnung, meine Mutter war so und ich bin so.

Statt dessen erschrecke ich vor den Reaktionen anderer und mache mir tiefste Vorwürfe über mein Verhalten. (Das kommt von meinem Vater. Wie sehr ich sein Verhalten übernommen habe!)

Aber ich komme dahinter, wie meine Mutter gewesen sein muss. Ich merke es an mir. Man wird man selbst.

Ich habe ein Büchlein auf dem Tisch, so groß wie eine Streichholzschachtel, mit afrikanischen Weisheiten. Schutzumschlag und Ränder sind schon etwas verblichen. Darin steht unter anderem, dass man zum Erziehen eines Kindes ein ganzes Dorf brauche. Ich finde den Satz schön, auch wenn ich ihn nicht jedem sagen würde.