Zweiter Sommertag!

Es ist so heiß in der Sonne, dass Lesen dort nicht möglich ist. Trotzdem muss ich aus dem zugigen Schatten immer wieder dorthin wandern. Nach zwei Stunden habe ich die Nase voll und gehe wieder ins Haus.

Dabei ist dies der zweite Sommertag!

Und vielleicht einer der letzten.

Die urlaubenden Nachbarn (mit dem Kind) scheinen wieder da zu sein. Dafür ist die andere Hälfte der Familie nun zur Erholung weggefahren. Fliegender Wechsel also.

Ich lese Lena Gorelik’s Sie sprechen aber gut Deutsch und bekomme bei ihren Ausführungen immer das Gefühl, dass manche Migranten MEHR haben. Sie haben zwei Kulturen, zwei Sprachen, zwei Pässe. So ein Otto-Normaldeutscher hat das nicht und soll trotzdem immer Toleranz üben, oder – neuerdings – Akzeptanz. Lena Gorelik kommt nämlich mit ihren Auffassungen von Deutschsein (aber mit zwei Pässen) auch ab und zu ins Schlingern. Und so hört Toleranz sich für sie eher wie Mitleid an und sie möchte dieses Wort ersetzt haben. Sie sucht auch nach einem anderen Wort für Migrant/Einwanderer mit Migrationshintergrund/Ausländer.

Wer das nun wissen will, muss das Buch aber selber lesen.

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säßlich

In der Freizeit (und wenn das Internet nicht geht) könnte ich ja gut Russisch lernen, wenn das nicht so anstrengend wäre. Dennoch schlage ich ein Wort nach: die Vokabeln der einzelnen Kapitel in Мост sind alphabetisch geordnet, das ist viel praktischer als in den englischen Schulbüchern.

Ich schlage also ein Wort nach und sehe gleich, dass ich mir die Mehrzahlbildung auch gleich notieren sollte. Das ist viel zuviel Arbeit für zwischendurch, um nur mal eben das Gedächtnis aufzufrischen. Welche Regeln gibt es gleich nochmal? Männlich-, weiblich- und sächlich-Endungen (oder säßliß, wie Inna immer sagt), wozu waren die gleich wieder gut? Die Konjunktionen – oder waren es Präpositionen? – verändern die Namenwörter… ständig bräuchte ich eine Liste mit all dem, was ich wissen muss, eine Liste mit Merksätzen.

В петербурге [w peterburgije] = in Petersburg und на столе [na stalije] = auf dem Tisch werden mit einem e am Ende des Wortes gebildet; Ausnahmen sind z. B. на полу [na palu] = auf dem Boden und в саду [w sadu] = im Garten (hoffe ich jetzt mal, denn ich bin mir grad nicht sicher, ob ich das Erinnerte richtig zuordne).

Die Possessivbegleiter… gelesen und fähig, sie zu erkennen, wenn ich sie sehe. Die fremde Schrift: ständig aus Versehen das R (р) anschlagen, obwohl ich das P(п) tippen wollte – von welchem Tierforscher stammt nochmal die Erkenntnis der Übersprungshandlung? Oder c(ц) statt s(с) tippen, weil das lateinische c dem kyrillischen s entspricht, zumindest auf der Translit-Tastatur von russtast. Wie kann man nur so überkomplex denken! Am Ende schadet das der logischen und konsequenten Denkfolge.

Ich lege das Buch, das mich inspiriert hat, zur Seite, denn das ist mir doch zuviel Gehirnakrobatik, nun, wo ich eigentlich entspannt surfen wollte. Obwohl – geht das überhaupt, entspannt surfen? Ist es nicht eher SO?

Das Internet funzte also nicht, das Lesen animierte mich zum Schreiben, und ich verfasste Sätze wie Olga Grjasnowa.

 

R für reading

Ich würde so gern wieder einmal ein Buch lesen. Aber das ist vorbei. Ich lese die Zeitung, aber auch nicht oft. Habe mir jetzt angewöhnt, sie wenigstens täglich durchzublättern, damit ich weiß, was über unseren Ort drin steht, was die Vereine machen und ob es Neuigkeiten bzgl. der Gestaltung des Rathausplatzes gibt. Zumindest solange eine neue Bücherei im Gespräch ist, muss ich informiert sein. Obwohl schon ein Wunder geschehen müsste (und wir uns um mehrere hundert Prozent steigern müssten), damit die Sache etwas werden könnte. Aber vielleicht gesehen ja Wunder. Es würde schon eins reichen.

L für Lesestart

Da ich nicht unwesentlich viel Zeit in Bibliotheken verbringe, kommen das ein oder andere Mal Aufgaben auf mich zu, vor denen ich mich richtig fürchte. Diesmal werde ich bei einer Veranstaltung Leuten etwas verklickern, das sie selbst wahrscheinlich am Besten wissen – zumindest habe ich bei einigen Zeitgenossen diesen Eindruck. Wäre da nicht der tiefe Wunsch, Kindern die Magie des geschriebenen (oder erzählten) Wortes vertraut zu machen, würde ich mich gar nicht auf diese Angelegenheit einlassen.