Zwischen den Jahren

In den Tagen vor der Adventszeit war ich im Einkaufszentrum unterwegs. Das Gebäude war noch so spärlich frequentiert, dass man einen guten Überblick hatte, und so bekam ich mit, wie ein Mutter-Tochter-Paar, das vor mir ging, lachend in den Eingangsbereich einer Boutique zeigte.

Mein Blick folgte ihrem ausgestreckten Finger, und ich sah dort, am Fuße einer Theke, drei kleine Kinder sitzen. Sie waren wohl von ihrer Mutter dort „geparkt“ worden, damit diese in Ruhe stöbern konnte.
Wenn ich versuche, mich zurückzuerinnern, waren es wohl Mädchen – wegen der Rastazöpfe – und ich glaube, es waren sogar Drillinge. Sie erinnerten mich an die drei kleinen Äffchen, die nicht hören, nicht sehen und nicht sprechen.
Aber das konnte nicht sein!
Zweijährige Mädchen konnten diese Äffchen der Weisheit noch nicht so verinnerlicht haben, dass sie wie diese aufgereiht da saßen. Sicher hielten sie alle nur den Finger an den Mund, um zu zeigen, wie gut sie schweigen konnten. Und das allein war witzig, denn sie machten es mit großen Augen und großer Ernsthaftigkeit.

Die Begegnung dauerte nur einen Moment und ich eilte weiter. Und dennoch, wenn ich im Nachhinein so überlege… hatte neben der Einen, die ihren gestreckten Zeigefinger an die Lippen hielt, die Andere nicht doch die Händchen an den Ohren und die Dritte die ihren auf den Augen?

Die Phantasie ist frei, und so wurde diese Beobachtung zu einem erfreulichen und besonderen Erlebnis.

Mögen wir immer wieder berührt werden von kleinen und großen Momenten und die Hoffnung auf das Gute und Gelingende nicht verlieren.

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Freundin

Ich sehe Inna ja als meine Freundin und bin so froh, endlich jemanden gefunden zu haben, den ich als solche bezeichnen kann. Die ‚alten‘ Freundinnen, die schon lange keine mehr sind, stammten noch aus den Tagen, als die Kinder klein waren, und wenn ich recht überlege, ist es kein Wunder, dass diese Kontakte vorbei sind. Die Kinder sind groß und haben sich (im Lauf der Jahre) verändert, warum sollten Mütter (und Freundinnen) sich nicht verändern.

Aber aktiv auf Freundschaftssuche zu gehen erwies sich als holpriger Weg, der mehrere Jahre dauerte und etliche Verletzungen mit sich brachte. Die Erfahrungen haben mit vorsichtig gemacht.

Nun habe ich Inna. Sie wird vermutlich nicht mit mir machen, was ich mir vorstelle. Aber dann machen wir halt was anderes.

Oh Inna!

Was hast du gemacht? Zuerst bewundertest du das T-Shirt mit dem coolen Kätzchen zwischen den Brüsten deiner Schülerin. Dann lenktest du ein, dass du ja keinen Busen hättest. Und treuherzig in die Runde lächelnd fügtest du hinzu, aber du hättest eine große Katze.

Nun liegt es ja am Ohr der Zuhörer, aber soviel Naivität traue ich dir doch nicht zu. Ich mag keine zotigen Frauen. Damit hast du mich ausgeknockt.

Hoffentlich ist der Samowar wenigstens echt, den du nächstes Mal mitbringen willst.

Sonst essen wir die Plätzchen trocken.

Lass uns auf die Couch setzen und aneinander lehnen.

Hast du schon Plätzchen gebacken? Wahrscheinlich bist du fleißig dabei und am anderen werkeln auch. Ichl liege abends im Bett und denke, bei der nächsten Gelegenheit backe ich Plätzchen. Die nächste Gelegenheit wär heute abend gewesen und jetzt ist es schon neun Uhr und ich denke jetzt erst dran. Ich hätte dann morgen welche mitnehmen und verteilen können.

Aber wenn ich so lustvoll bin, übertreibe ich sowieso meist und überfordere mich. Für diesen Nachbarn auch Plätzchen und für jene Freundin noch… einen Teller voller Plätzchen am Besten… und schon wird es zuviel.

Und du?

Richtig

Man sagt nie alles. Wenn mir jemand zu nahe käme, würde ich ihn zurückweisen. Und trotzdem ist alles, was ich möchte, jemandem zu nahe zu kommen.

Zu dem Zeitpunkt, als ich unbedingt ein Treffen wollte, hatte ich zuviel Angst davor. Später… waren schon wieder zu viele Zweifel da.

Etwas in der Kraft des ersten Augenblicks machen – das war es, was ich für gewöhnlich tat. Und doch war ich einmal der Meinung, das reicht nicht. Um erfolgreich zu sein (und Geld zu verdienen), muss man etwas immer und immer wieder reproduzieren können.

Ich will deine Zunge spüren. Auf meiner.

Oh, so viel Arbeit…

und nicht nur das. Das Familienleben renkt sich gerade wieder ein, Geschenkwünsche wollen erfragt sein und manche Idee sofort umgesetzt werden.

Von den Texten, die ich heute kürzen wollte, ist noch einer übrig. Aus unerfindlichen Gründen hab ich  nachmittags 2 Stunden verschlafen. Und wenn man alles macht, was ansteht, dann wird die Zeit vom Tag verschluckt, besonders jetzt, wo es so früh dunkel wird.

Der Leihoma habe ich Kuchen versprochen. Also habe ich welchen gebacken und bringe ihn morgen mit. Eine zusätzliche Nachhilfestunde wird MO auch zwei Stück Kuchen bescheren.

Eigentlich wär noch mehr zu tun gewesen und auch morgen werde ich nicht rumkommen, sondern nur das schaffen, was unbedingt sein muss. Essen kochen wird wieder zu kurz kommen, dabei wären leckere Mahlzeiten so wichtig für’s Befinden.

So aber lehne ich mich zurück und denke zwischendurch an dich.

🙂   🙂   🙂

Strick- und Nähheft

Ja wenn da schon soviel steht, brauch ich meinen anbiedernden Senf nicht auch noch dazugeben. Sieht ansprechend aus, das Heft, von außen. Hätte mir auch gefallen und wenn ich hungrig gewesen wäre, hätte ich es sicher mitgenommen.

Nein.

Du bist die Beste! Du hast das schönste Heft und ich beneide dich drum.

Lass es mich mal durchblättern.

[Babu:ja] – Бабуя

Ist es schon soweit?, frage ich die Achtjährige freundlich. Nein, sagt sie kühl, obwohl es offensichtlich ist, dass es soweit ist.

Die Leihoma bringt mir jedesmal ein neues Wort bei. Heute ist es ‚kalt‘. Ich schlage im Wörterbuch nach und bin mir nicht sicher, welche der darin gefundenen Versionen nun richtig ist – sie haben alle unterschiedliche Endungen. Wahrscheinlich ist die Tatsache, dass die Russen keine Artikel haben, der einzige Vorteil an der Sprache. Verben haben wir bis jetzt wenigstens noch keines gelernt. Höchstens vielleicht in einer fertigen Formulierung, z. B. [menja sawu:t… ] = ich heiße… – hab grad keine russische Tastatur da, deshalb in Lautschrift.

Jedenfalls habe ich erzählt, dass wir bisher hauptsächlich internationale Wörter gelernt haben, wie Kontakt, Thema, Student, Fotograf, Passport, Frankfurt, Berlin, Stuttgart… Sie hat kaum verstanden. Ich erkläre, dass wir noch keine Zahlen gelernt haben und auch keine Wochentage, das lernte ich alles bei ihr. Sie freut sich, und später schenkt sie mir eine zusammengefaltete Tasche. Ich wähle die türkisfarbene und bin froh, dass ich bzgl. Geschenken nicht übersättigt bin. Denn so freue ich mich ehrlich über die Gabe.

Irgendwann werde ich sie auch fragen, ob sie mir die Matroschkas zeigt.